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- Das Dorf Gottsbüren. Gerichtsort im Amt Sababurg (Artikel von Egon Haake)
- Die Geschichte des Wunders von Gottsbüren auf Notgeld dargestellt

Der Inhalt des Artikels "Das Dorf Gottsbüren" wurde erstellt von Egon Haake und ist hier als PDF zu erhalten

Das Dorf Gottsbüren
Gerichtsort im Amt Sababurg

Gottsbüren war im Mittelalter die größte Siedlung im Reinhardswald. Hauptsächlich verdankte der Ort seine Bedeutung der Lage an einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung, der historischen Königsstraße. Der Fund einer blutigen Hostie in unmittelbarer Nähe im Reinhardswald im Jahr 1329/1330 machte Gottsbüren zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte. Im 14. und 15. Jahrhundert erreichte aber nicht nur die Wallfahrt große Bedeutung, sondern auch Töpferei und Orgelbau. Mit wachsender Bedeutung erhielt Gottsbüren auch zunehmend Rechte wie die Gerichtsbarkeit. Die ging einher mit der Einrichtung von Richtplätzen (Galgen) und weiteren Objekten der mittelalterlichen Rechtspflege (Pranger). Damit beschäf-tigen sich nachfolgende Ausführungen.
Die erste Erwähnung des Ortes Gottsbüren ist in den Corveyer Traditionen niedergeschrieben: Schenkung eines Hofes mit Leibeigenen im Ort Buria (Gottsbüren) an das Kloster Corvey unter Abt Warinus. Er war von 826 bis 856 Abt im Kloster Corvey. Der Ort Gottsbüren dürfte aber schon einige Zeit vor der ersten schriftlichen Erwähnung bestanden haben.
Gottsbüren lag günstig an der sogenannten Königsstraße, einer bedeutenden Nord-Süd-Verbindung von Lund in Schweden bis nach Rom im Süden. Sie war eine Pilger-, Handels- und Heerstraße. Es kamen starke Pilgerströme aus Norden, Osten und Westen, auch aus Norwegen, Schweden, Polen und Holland. Sie brachten viel Geld und Gaben für die Kirche in Gottsbüren. Zum Schutz der Pilger wurde 1334 die Sababurg erbaut.
In dieser Zeit entwickelte sich der Ort zu einer größeren Siedlung. Die Pilger mussten untergebracht und versorgt werden, was mit Sicherheit eine sehr große Herausforderung für die Dorfbewohner bedeutete, aber auch lukrativ war.

Wallfahrtskirch Gottsbüren
Die Wallfahrtskirche ist prägend für das Dorf Gottsbüren.
Sie wurde gleich nach Beginn der Wallfahrt in den Jahren 1330/1331 errichtet..

Amtszugehörigkeit
Im Mittelalter waren die Dörfer einem Amt und dessen Gerichts-und Verwaltungsbezirk zugeordnet. Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit unterstand Gottsbüren Amt und Gericht Gieselwerder. Nach 1538 verlegte die Landgrafschaft Hessen den Amtssitz auf die Sababurg. Die Salbücher der zweiten Hälfte des 16 Jahrhunderts firmieren mit Amt Sababurg und Gericht Gieselwerder. So waren z.B. im Jahre 1569/1570 folgende Orte dem Amt Sababurg zugehörig: Gottsbüren, Hombressen, Veckerhagen, Vaake, Gericht Gieselwerder, Oedelsheim, Vernawahlshausen, Heisebeck, Arenborn und Lippoldsberg.
Aus dieser frühen Zeit liegen nur wenige Nachrichten über den Gerichtsort Gottsbüren vor, von denen einige aufgeführt werden:
1522 verzeichnet die Vogteirechnung des Amts Gieselwerder für die Teilnahme am Gerichtstag in Oedelsheim Auslagen für Geschworene aus Gottsbüren.
1552 ist im Salbuch Sababurg unter Auslagen vermerkt: „Zehrung an den Gerichten 12 Gulden, drei Gerichte in Gottsbüren, Hombressen und im Haus [Sababurg] gehalten“.
1575 sagt Hans Reiffenhausen aus Gottsbüren bei einer Zeugenvernehmung aus, er sei 96 Jahre alt und ein Richter und Kaufmann gewesen, er habe über 10 Dörfer zu gebieten gehabt.
1569/1576 wird Gottsbüren als Gerichtsort im Amt Sababurg genannt.

Die Galgen zu Gottsbüren
Der erste bekannte Standort eines Galgens war am alten Sababurger Wege, rechts der heutigen Straße von Gottsbüren nach Sababurg gegenüber dem jetzigen Hof „Rancho Paradiso“ bei dem Weiler Bensdorf. Den ersten schriftlichen Hinweis gibt das Salbuch des Gerichts Gieselwerder von 1551: Gottsbürener Rottland liegt uffm Zapfenburger Wege beim Galgen. Auf der Katasterkarte vom 14. März 1913 heißt der Flurname dort „Bei den Pfählen“. So kann man in etwa den ehemaligen Standort des Galgens einschätzen. In der damaligen Zeit waren Galgen und Richtplätze gemiedene Orte. Sie wurden auch als „Sudelstätten“ bezeichnet. Sie wurden an wichtigen begangenen und befahrenen Wegen aufgebaut, um abschreckend zu wirken..
Der Galgen „Bei den Pfählen“ sollte, weil er marode war, entfernt werden. So heißt es in einem Schreiben des damaligen Sababurger Amtmanns Carl Schönwald an den Landgrafen Wilhelm IV. von Hessen-Kassel (*1532, +1592) vom 1. Februar 1576, „ … er möge bitte den alten Galgen zwischen Gottsbüren und Sababurg wegen Baufälligkeit abreißen lassen und oberhalb von Gottsbüren an dem Gieselwerderschen Wege einen neuen Galgen errichten“. Amtmann Carl Schönwald nennt hier eine Begründung für den Galgenneubau: „Die armen Leute könnten die alte Galgenstelle beackern und mit Korn bestellen, denn der neue Galgenplatz wird eine größere abschreckende Wirkung haben als der alte Platz.“
Nach der Zusage des Landgrafen wurde der neue Galgenplatz oberhalb von Gottsbüren angelegt. Dort führte der alte Weg in Richtung Gieselwerder unmittelbar rechts am Galgenplatz vorbei. Die obengenannte Königsstraße, die von Gottsbüren weiter zur alten Weserfurt nach Lippoldsberg führte, nahm dann in Richtung Norden ihren weiteren Verlauf. Sie verlief unweit links des Galgens, der so zwischen zwei wichtigen Wegeverbindungen platziert war und durch die erhöhte, damals kaum bewaldete Lage (Hochackerflächen) weithin eingesehen werden konnte. Somit hatte der neue Galgen ein hohes Abschreckungspotential.
Heimatforscher Roland Henne aus Gieselwerder hat diesen Galgenplatz im Jahre 1999 entdeckt. Von dem Platz sind noch schwache Umrandungsrelikte erhalten.
Auf einer Karte um 1590 ist der neue Galgenplatz von Gottsbüren eingezeichnet. Auf verschiedenen Landkarten von 1590 bis 1753 sind die Galgen unterschiedlich dargestellt. Entweder mit zwei Pfählen, die oben einen Balken aufweisen, oder mit drei Pfählen, die auch oben miteinander verbunden sind. Wie der Gottsbürener Galgen gestaltet war, ist nicht überliefert, jedoch aus einer Karte von 1723 zu ersehen.

Kartenausschnitt j.N. Leopold 1723
Karte von J.N. Leopold über Alleen im Reinhardswald von 1723 – Ausschnitt.
Der Galgen nördlich von Gottsbü-ren am Gieselwerder Weg ist eingezeichnet. Er bestand aus drei Pfählen.

Aus der Zeit des Amtes Sababurg bezogen auf den Gerichtsort Gottsbüren gibt es kaum Niederschriften von Justiz- und Gerichtsverhandlungen oder von Gerichtsurteilen und ihren Vollstreckungen. Es gab grausamste Formen der Todesstrafe, so auch das folgende Todesurteil und seine Vollstreckung im Jahre 1694 auf dem Gerichts- und Galgenplatz in Gottsbüren. Dem damals amtierenden Gottsbürener und Sababurger Metropolitan und Pfarrer Christoph Ellenberger (*1638, + 2.3.1734) haben wir folgende Aufzeichnung zur Hinrichtung des Johannes Breidenstein zu verdanken:
„Ein Mann namens Johannes Breidenstein aus Vaake an der Weser wurde verurteilt mit der Begründung, seinen Schwager vergiftet zu haben. Die Motive dieser Tat sind nicht bekannt. Der Täter wurde schnell gefasst und in dem Gefängnis auf der Sababurg inhaftiert. Dem Bericht nach, war er auch sofort geständig. Folterungen, um Geständnisse zu erzwingen, waren üblich, aber in diesem Fall nicht angewendet worden. Das Urteil des Richters lautete: „Enthaupten mit dem Schwert“.
Die Seelsorger Amelung aus Vaake und Feuerring aus Vernawahlshausen haben den Verurteilten auch vorher, als er so lange im Gefängnis gesessen hat, auf den Tod vorbereitet. Sie haben ihn auch zum Galgen begleitet und ihm bis in seinen Tod Trost zugesprochen.
Nach der Enthauptung durch das Schwert, wurde der Körper auf ein Rad gelegt und der Kopf auf einen Esel gestellt. Die Körperteile wurden nicht am selben Tag verscharrt [begraben], sondern blieben lange über den Tod hinaus am Ort des Galgens liegen. Damit war die abschreckende Wirkung zeitlich nicht begrenzt.“

Nach der Enthauptung kamen somit noch zwei weitere Strafen zur Wirkung, nämlich
1. die öffentliche Zurschaustellung,
2. dass Vögel sowie andere Tiere sich an dem frei liegenden Körper zu schaffen machen konnten.

Ein Beseitigen oder Verscharren der Körperreste ist nicht überliefert. Man kann davon ausgehen, dass diese beim Galgen oder in der Nähe verscharrt wurden. Die eigentliche Hinrichtung, so brutal, schaurig und grausam sie auch war, wuchs sich zum Volksfest aus, an dem die Bewohner aus den Nachbarorten teilnahmen.

Richtstaette im RHWD
Zwei Fotos von der ehemaligen Richtstätte im Reinhardswald am alten Weg nach Gieselwerder. Die Struktur des Platzes, auf dem der Galgen stand, ist im Gelände noch schwach zu erkennen.
Der Platz nach der Säuberung. Die Abgrenzung wurde durch die noch vorhandenen Steine angedeutet. Etwa 50 m westlich verläuft der Altweg nach Lippoldsberg (Nonnenweg, Königsstraße). Er ist als Eco Pfad „Pilgerwege zum Wallfahrtsort Gottsbüren“ markiert mit Hinweis auf die Richtstätte.
Eine Kennzeichnung des Platzes mit Info-Tafel oder –Stein wäre zu begrüßen.
 
Pranger in Gottsbueren
Pranger in Gottsbüren, der einzige im Amt Sababurg
In Gottsbüren, stand ein Pranger, auch Schandpfahl genannt. Pranger waren meist aus Holz oder aus Stein und ein sichtbares Zeichen der dem Ort verliehenen Gerichtsbarkeit.
In der unveröffentlichten Chronik von Gottsbüren, steht folgender Text:
„Am Ostausgang des Kirchplatzes stand die uralte Dorflinde. Sie fiel 1896 einem Windfall zum Opfer. Am Fuße dieser Linde waren in früheren Zeiten die öffent-lichen Bekanntmachungen zu lesen. Man nannte den Baum auch die „Mannlinde“, weil sie beim Läuten der Sturmglocke den Männern als Sammelplatz diente. In der Nähe der Linde stand im 16. und 17. Jahrhundert vermutlich auch der Schandpfahl. Sein Standort ist nicht überliefert.
Eine Urkunde des Rentamtes Sababurg aus dem Jahre 1680 besagt nämlich „dass es im gesamten Amtsbezirk keinen Pranger gäbe, nur Gottsbüren besäße einen Schandpfahl für geringere Vergehen.“
Ein Verurteilter wurde auf einen Steinsockel vor dem Schandpfahl gestellt, bekam ein Halseisen und Handgelenkeisen angelegt, die mit einer Kette am Pfahl befestigt waren.
Das öffentliche Zur-Schau-Stellen war eine Ehrenstrafe. Sie brachte für den verurteilten Spott und Schande. Das war aber das geringere Übel. Die Palette der Körper- bzw. Leibesstrafen am Pranger waren sehr vielfältig, grauenhaft und schmerzhaft, führten aber nicht zum Tode.
Die Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte Gottsbü-ren hat 1999 einen Pranger aus Eichenholz nachgebaut und an der Rückwand eines Gebäudes, welches zum Pfarrhaus gehört, aufgebaut. Der Pranger hat damit einen öffentlichen Zugang. Sein Standort in der Nähe der Kirche ist zentral und von der heutigen Durchgangsstraße Trendelburg – Gieselwerder bzw. auch Sababurg gut sichtbar. Der Nachbau des Prangers soll die Erinnerung an den „Gerichtsort“ Gottsbüren wachhalten und zum Nachdenken anregen.
Der 1999 von der Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte Gottsbüren gebaute Pranger, aufgestellt am Rusteberg-Parkplatz nahe der Kirche.

Der Steinerne Tisch im Reinhardswald
Nahe bei Gottsbüren in Richtung Helmarshausen am Kupferborn stand ein „Steinerner Tisch“. In den Karten von 1719 (Leopold), 1724 (Rüstmeister) ist der Standort markiert und die Beschreibung „Steiner Tisch“ zu lesen. Die Hutekarte von 1753 (Rodthausen) zeigt sogar ein rotes Viereck nördlich des Kupferborns ebenfalls mit dem Zusatz „Steiner Tisch“. Solche Tische aus Stein finden sich regelmäßig auf dörflichen Gerichtsplätzen. Lag am Kupferborn ein Gerichtsplatz? Näheres dazu ist nicht bekannt. Der alte von Gottsbüren nach Wahmbeck/Weser verlaufende Weg, der 1551 noch als Wichmanscher Weg bezeichnet wird, führte direkt am Steinernen Tisch vorbei. Handelt es sich um die Gerichtsstätte des im 14. Jahrhundert wüst gefallenen Dorfes Wichmanessen, dessen Dorfstelle nur etwa 500 m nördlich lokalisiert werden konnte? Nachrichten dazu gibt es nicht.
Am Kupferborn endet der von Sababurg kommende und Gottsbüren östlich umgehende legendäre Landgrafen-Weg. Diesen Weg benutzte die landgräfliche Jagdgesellschaft, um im Benser Holz zu jagen. Mutmaßlich war am Kupferborn der Sammelplatz der Jäger. Vielleicht diente der „Steiner Tisch“ auch dazu, über Jagdvergehen zu urteilen. Der Tisch ist nicht mehr vorhanden, er wurde wahrscheinlich irgendwann entwendet und als Baumaterial genutzt.

Ausschnitt Hutekarte Gottsbueren
Ausschnitt aus der Hutekarte Gottsbüren-Gieselwerder von 1753. In der Bildmitte oben am Kupferborn ist der „Steiner Tisch“ mit einem Viereck gekennzeichnet.

Kregelsberg/Gribbelsberg
Ein weiterer besonderer Platz befindet sich auf dem heute so genannten „Gribbelsberg“ vor der Sababurg. Dieser Platz mit seinem etwa 250 Jahre alten im Kreis angelegten Lindenbewuchs hat einen Durchmesser von etwa 12m. Auf einer Karte vom Jahr 1855 von Adolph Spangenberg ist ein Baum in der Mitte des Rondells hervor gehoben. Der Platz wird als „Kriwelsberg“ bezeichnet. Handelt es sich um einen älteren Gerichtsplatz?
Seit dem Jahr 2000 kennen wir die Dorfstelle des in der Schenkungsurkunde des Reinhardswaldes von 1020 erwähnten Dorfes Wulfredeskirchun. Die Siedlung mit Kirche lag am Linsengrund vor dessen Einmündung in die Donne, nur wenige 100 m nordwestlich der Sabab-urg. Später lesen wir den Namen Wolferdessen/Wolfersen. Eine Urkunde von 1345/1346 berichtet über Zerstörungen im Dorf Wolfversen (Wulversin) und am Hain („hene“) vor der Zapfenburg. Mit dem Hain kann nur der Kregelsberg gemeint sein, der als Gerichtsplatz und vielleicht Kultstätte (heiliger Hain?) des Dorfes Wolferdessen anzusehen ist.
Im Salbuch von 1570 wird die markante Bergkuppe „Kregelsberg“ genannt. Der Name änderte sich im Laufe der Jahrhunderte. So führt die Karte von 1723 (J.N. Leopold) die Bezeichnung „Kneppelsberg“. 1855 steht in der Flurkarte (A. Spangenberg) „Kriwelsberg“. Die heutige amtliche Bezeichnung ist „Gribbelsberg“.
Nach dem Veröden des Dorfes Wulfredeskirchun/Wolfersen in den Jahren nach 1350 dürfte im Spätmittelalter und der Neuzeit dieser Platz von der 1334 erbauten Sababurg vielfältig genutzt worden sein, jedoch nicht als Gerichtsstätte. Das Gericht tagte auf der Burg. Der märchenhafte Blick vom Linden-Rondell auf die Burg hat wohl auch Wilhelm Dilich bewogen, auf dem kolorierten Kupferstich aus dem Jahre 1598 diesen Platz im Vordergrund besonders hervorzuheben.

Das Gebiet um die Sababurg Mitte des 14. Jahrhunderts, dargestellt auf einem Ausschnitt der Karte vom Kurfürstentum Hessen von 1857.
Bei einer Fehde im Jahr 1345/46 erlitt das Dorf Wolferdessen mit Kirche Zerstörungen, ebenfalls der „Hain“ vor der Sababurg, später Kregelsberg (und ähnlich) genannt. Dieser markante Platz nördlich der Sababurg ist als Gerichtsstätte (Thing) des wenig später wüst gefallenen Dorfes Wolferdessen anzusehen.
Ausschnitt der Karte des J.N. Leopold von 1723 mit Darstellung der Richtung Gottsbüren geplanten Allee, die so nicht zur Ausführung kam. Die nahe Bergkuppe des „Hain“ wird als „Kneppelsberg“ bezeichnet.
Aufnahme aus dem Jahr 1927. Die nun „Gribbelsberg“ genannte Bergkuppe, mit Linden bestanden, ist links zu sehen. Rechts sind die Türme der Sababurg erkennbar.

Gottsbüren nahm durch die Wallfahrt im 14. und 15. Jahrhundert einen gewaltigen Aufschwung. Auch schon im 13. Jahrhundert hatte das Dorf durch mehrere Töpfereien überörtliche Bedeutung. Die Wüstungsperiode von etwa 1350 bis 1420 überstand der Ort mit nur geringem Rückgang. Dagegen fielen die Nachbardörfer Bensdorf, Wulfredeskirchun/ Wolferdessen, Beberbeck, Markessen, Tonhausen, Thalhausen, Brunessen, Wichmanessen und die Siedlung an den Lumbachquellen wüst.
An die mittelalterliche Glanzzeit der Reinhardswald-Siedlung erinnert die große Wallfahrtskirche. Zu deren Schutz und zum Schutz der Pilger wurde schließlich die Sababurg errichtet. So ist auch erklärbar, dass in Gottsbüren, dem größten Dorf im Amt Sababurg, Gerichtsrechte ausgeübt wurden mit zugehörigen Galgen und Pranger.

Quellen und Literatur
Dorfchronik Gottsbüren von OStR Dr. Heinrich Euler, 1947
Kirchenbücher Gottsbüren, 1675-1730
Katasterkarte Gemeinde Gottsbüren vom 14. März 1913
Befundaufnahme Wulfredeskirchun vom 24.08.2000 durch Bezirksarchäologen Dr. Klaus Sippel
Bestände des Hess. Staatsarchivs Marburg: S 29, S 89, S 331, S 542, S 543, 17 I 5201, 17 e Reinhardswald 7-10, 40 d 372; Karten: 1590 (Moers, P II 15629), 1719 (C.H. Leopold, P II 8557), 1723 (J.N. Leopold, P II 9176), 1753 (Rodthausen, P II 11493) sowie 1724 (Rüstmeister).
Eckhard, Wilhelm A.: Gerichtstätten in Hessen, 2011 (www.lagis-hessen.de)
Germeroth, Rüdiger: Vom Gerichtsplatz zum Tanzplatz. Jahrbuch Landkreis Kassel 2018, S. 58-59
Henne, Roland: Die Reinhardswald-Grenze -Überlegungen zum Grenzverlauf, 2019 (www.reinhardswald.info)
Jäger, Helmut: Die Entwicklung der Kulturlandschaft im Kreise Hofgeismar, 1951
Riebeling, Heinrich: Historische Rechtsmale in Hessen, Frankfurt, 1986
Fotos; Archiv Egon Haake.
Dank sagen möchte ich Roland Henne, Gieselwerder, für Anregungen und Hinweise auf Archivalien.


(Egon Haake, Kupfergrund 20, 34388 Trendelburg-Gottsbüren, E-Mail: ehaake.@gmx.de, 2020. Der Beitrag ist gekürzt im Jahrbuch 2021 Landkreis Kassel, S. 75-77, publiziert)

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Die Geschichte des Wunders von Gottsbüren auf Notgeld dargestellt

An der Weser stand ein Kloster, Fröhlich lebten da die Nonnen,
doch nach mißgeratenen Jahren war der Klosterschatz zerronnen.

Aufgebraucht die fette Nahrung. Schlechte Wirtschaft leer die Keller!
Die Abtissin saß in Sorgen, Täglich schritt das Unheil schneller.

Fast zur Angst stieg schon ihr Denken, Seufzend rang sie ihre Hände,
„Ach wenn nur ein Wunder käme, das des Klosters Schicksal wende“.

Und sie ging zur Waldesschmiede, an der Luft sich zu erquicken,
Aber schon am Eingang muß sie aufgeregt den Schmied erblicken.

Und er grüßt sie: „Frohe Herrin, mir gings wunderbar und eigen,
Wollt´s schon melden in dem Kloster, darf ich´s Frau Abtissin zeigen?

Gestern kam längst von der Weser herein Mann, schwach von der Reise,
Ich gab ihm, ob seiner Schwäche, Lagerstatt und etwas Speise.

Aber in der Morgenfrühe mußt ich kalt und tot in sehen,
Er ist mit den Zügen wie der Heiland anzusehen“.

Von dem Anblick ganz ergriffen spricht Sie: „S´ist nicht zu verhehlen!“
Schaut dem Schmied ernst ins Antlitz, „Ja, und nur die Wunden fehlen!“

Und den ernsten Blick der Herrin hat Schmied Helmbrecht wohl verstanden,
nimmt entschlossen schnell das Werkzeug und  -- die Wunden sind vorhanden.

Andern Tag rufts her vom Walde: „Kommt und seht was wir gefunden,
unsern lieben Herrn und Heiland Edelschön, mit allen Wunden!“

Und sie legen ihn mit Andacht auf die grüngeschmückte Bahre,
Tragen ihn nach Gottsbüren hin zum heiligen Altare.

Wallfahrtsort ward Gottsbüren zu Klosters reichem Segen,
Nach dem Wunder kamen Pilger aller Orten ihm entgegen.

Brinen ihre reichen Gaben, Gold und Silber, Wachs und Kerzen,
harren knieend, Heilung hoffend, gläubig schenkend mit dem Herzen.

Und so war für lange Zeiten auch des Klosters Not behoben,
Immer flossen reiche Spenden, Ja, das Wunder war zu loben!

     

 

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